Im Fokus

“Der Milchprinz” 

Diese Geschichte könnte man auch ein Sittengemälde aus der Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs um 1800 nennen. Sie wird vom Protagonisten Ludwig Rudolf von Jenner, von seinen Freunden ‚Milchprinz’ genannt, im Stil eines Tagebuches erzählt. Er bedient sich der Sprache der Intellektuellen seiner Zeit, ist aber wieder ganz bei uns Heutigen, wenn es um die Schilderung von Gefühlen wie Einsamkeit und Liebe geht.

Ende des 18. Jahrhunderts zerbricht die alte Zeit. Die Aristokratie wird gezwungen abzutreten. An ihre Stelle tritt erst einmal Chaos und Rechtlosigkeit.

Als Antwort darauf schafft auf der einen Seite Napoleon mit Gewalt und gesetzgeberischer Klugheit eine neue Ordnung; parallel dazu spriessen in Weimar und Jena frische Triebe eines neuen Menschenbildes, das auf der Aufklärung gründet, diese erweitern will und die Erziehung der Menschen zur Mündigkeit zum Ziele hat. Einige dieser Triebe tragen exzellente Früchte. In der Schweiz ist es Pestalozzi, dessen Lehrmethode Gelehrte von nah und fern anzieht; es sind aber auch Junggelehrte aus Jena, die, von Berner Patriziern als Hauslehrer auf ihre Landsitze geholt, die neuen Ideen in Bern verbreiten. Unter ihnen sind hervorragende Köpfe, die später als Gelehrte Ruhm erlangen.

In Weimar wirken Goethe und Schiller, und im illustren Kreis der Jenaer Frühromantiker macht ein junger Dichter und Philosoph, der sich selbst Novalis nennt, auf sich aufmerksam.

Zerrissen zwischen Tradition und Aufbruch, sucht der 30-jährige Jenner in dieser ausfransenden Zeit – hier die endlosen napoleonischen Kriege, da die Lust am intellektuellen Austausch und der schöngeistigen Debatte um eine bessere Welt – seinen Weg.

Dieser Weg führt ihn auch ins Gebirge, das in seiner ‚Unschuld und Erhabenheit’ zu einem Sehnsuchtsort im Denken der Frühromantiker geworden ist.

Im Gebirge ist man den Sternen nah – aber auch die Gefahr zu stürzen ist allgegenwärtig.

Im zweiten Teil des Buches kommen Menschen aus der Aristokratie Berns und des ehemaligen Berner Aargaus zusammen, um bei einer Lustreise auf die Rigi die Erhabenheit der Bergwelt zu erleben. Sie alle tragen eine persönliche Geschichte in sich und glauben, wieder festen Boden unter den Füssen zu haben, nachdem sie und ihre Familien wenige Jahre zuvor durch die Revolution gestürzt wurden.

Doch die Hälfte von ihnen stürzt erneut beim grossen Bergsturz von Goldau und kommt zu Tode. Sieben von dreizehn Menschen sterben, gerade als sie in ein neues Leben aufbrechen wollten. Warum gerade sie? Was verbindet diese sieben Menschen, dass sie im gleichen Augenblick dasselbe Schicksal erleiden?

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Video

Ein Beitrag des Lokalfernsehens Lyss zur Lesung “In einem kalten Land”: