Abgezogene Hasen

Bewertet mit 4.86 von 5, basierend auf 7 Kundenbewertungen
(7 Kundenrezensionen)

19.50CHF

„Es war wenig Publikum auf dem Aussichtsturm, da der Nebel die Sicht auf die Stadt behinderte, derentwegen man die Plattform eigentlich bestieg. Außerdem stand die späte Nachmittagssonne schon ziemlich tief und trieb die Ausflügler zur Bahn in die Stadt. Oben angekommen, lehnten sich beide an die Brüstung und blickten dorthin, wo sie Zürich wussten, im Rücken die beleuchteten Gipfel des Glarnerlands und der Innerschweiz. Oskar wurde nicht müde weiter zu erzählen. Er ließ vor seinen Augen die Jugendjahre vorbeiziehen; dann die Zeit des Studiums; sein Engagement in der Bewegung, damals, als alles wichtig, ultimativ und folgerichtig war. Es war jenes Lebenszeitfenster, von Leandro aufgestoßen, durch welches er für eine kurze Spanne die Luft des prallen Lebens geatmet hatte.

So wie jetzt die Abendsonne ihren Glanz auf Nebelmeer und Höhenzüge legte, so golden glänzte ihm die Erinnerung an jene verflossene Zeit, als die Zukunft noch weichere Konturen hatte als später, als sie Gegenwart geworden war.”

Der mit Anspannung und Sehnsucht erzählte Roman zieht den Leser in die Welt eines Mannes, der sich zwischen Zürcher Jugendunruhen 1980 und 2012, zwischen Aufbruch und Stillstand, schliesslich zwischen den verschiedenen Persönlichkeiten seiner selbst wiederfindet.

220 Seiten
Hardcover gebunden
1. Auflage 2014
Satz und Cover: grafikkollektiv.ch

Artikelnummer: ISBN 978-3-9524378-0-3 Kategorie:

Beschreibung

„Es war wenig Publikum auf dem Aussichtsturm, da der Nebel die Sicht auf die Stadt behinderte, derentwegen man die Plattform eigentlich bestieg. Außerdem stand die späte Nachmittagssonne schon ziemlich tief und trieb die Ausflügler zur Bahn in die Stadt. Oben angekommen, lehnten sich beide an die Brüstung und blickten dorthin, wo sie Zürich wussten, im Rücken die beleuchteten Gipfel des Glarnerlands und der Innerschweiz. Oskar wurde nicht müde weiter zu erzählen. Er ließ vor seinen Augen die Jugendjahre vorbeiziehen; dann die Zeit des Studiums; sein Engagement in der Bewegung, damals, als alles wichtig, ultimativ und folgerichtig war. Es war jenes Lebenszeitfenster, von Leandro aufgestoßen, durch welches er für eine kurze Spanne die Luft des prallen Lebens geatmet hatte.

So wie jetzt die Abendsonne ihren Glanz auf Nebelmeer und Höhenzüge legte, so golden glänzte ihm die Erinnerung an jene verflossene Zeit, als die Zukunft noch weichere Konturen hatte als später, als sie Gegenwart geworden war.”

7 Bewertungen für Abgezogene Hasen

  1. Bewertet mit 4 von 5

    Marco Stoll

    Sehr lebensnah und glaubhaft beschreibt der Autor, wie ein Mann, mitten im Leben, im ruhigen Fahrwasser einer stabilen Beziehung und einer erfolgreichen Karriere durch eine kurze, flüchtige Begegnung in eine Sinn- und Lebenskrise stürzt. Die Suche nach einer vergangenen Liebe und Leidenschaft ist gleichzeitig die Suche nach der Jugend. Werner Adams beschreibt eindrücklich, wie Vergangenes die Gegenwart verändert und (vielleicht) eine neue Zukunft ermöglicht.

    Ein lesenswertes Buch, nicht nur aber besonders für jene, die der Jugend oder einer Liebe nachtrauern.

  2. Bewertet mit 5 von 5

    Babirne

    Der Autor gibt dem Leser genau die richtige Dosierung in die Hand: Alles, was man braucht, um nachvollziehen zu können, wie es dem Protagonisten geht, was ihn bewegt, wie er sich fühlt; aber auch noch genug Freiheiten, um mit der eigenen Phantasie selbst Bilder zu erschaffen. Sehr angenehm etwa sind die Sequenzen des Romans, die wie ein Film vor dem Inneren Auge ablaufen: Die Zeit in Tschechien beispielsweise kann man sehr genießen, sich innerlich “zurücklehnen”. In der Mitte des Romans stellt sich dann aber eine beklemmende Stimmung ein, dass nun das Vorhersehbare nicht mehr aufzuhalten ist – ein ambivalentes Lesegefühl, das, wenn man es mag, aber sehr anregend sein kann. Und das Ende, ja…Tief berührend und nicht zu erwarten, muss man aber selbst gelesen haben.

    Der Autor erschafft Roman-Figuren, die sehr glaubwürdig wirken. Sie sind trotz oder gerade wegen ihrer Schwächen, ihrer Emotionen, ihrer Leidenschaften, ihrer Trauer sehr sympathisch und liebenswert. Schnell gewinnt man das Gefühl, sich in jeder einzelnen Figur irgendwie wieder finden zu können.
    Insgesamt eine sehr spannende Geschichte, die weder voraussehbar noch beliebig ist. Vielen Dank für dieses Leseerlebnis!

  3. Bewertet mit 5 von 5

    Etienne Blatz

    Habe den Roman mit Genuss gelesen und erkenne viele Dinge in unseren gesellschaftlichen Strukturen wieder. Der Roman erzählt eine ehrliche Geschichte! Kann es nur empfehlen.

  4. Bewertet mit 5 von 5

    André Gut

    Ein sehr empfehlenswerter, ehrlich erzählter, moderner Roman, in welchem die Leidenschaft und die Angst vor Verlassenheit und Verlust des Protagonisten Oskar wohl Urzüge und Urängste von uns Männern widerspiegeln.

    Ich war erstaunt darüber, wie in der spannend und mit Sehnsucht erzählten Geschichte immer wieder Unvorhersehbares zum Weiterlesen anspornte.
    Zwar schwebte hie und da eine Vorahnung in der Luft, doch es kam meist anders als erwartet.

    Sehr interessant für mich waren auch die wechselnden Erzähl-Perspektiven der verschiedenen Protagonisten.

    Als Stadtzürcher freuten mich die vielen Schilderungen der mir bestens bekannten und vertrauten Zürcher Orte.
    Ich werde wohl bei meinem nächsten Spaziergang auf den Zürcher Hausberg an einigen Stationen innehalten und mir Textstellen aus dem Buch in Erinnerung rufen.

    Vielen Dank und herzliche Gratulation!

  5. Bewertet mit 5 von 5

    Franz Ott, Zürich

    In diesem Roman wurde mir einmal mehr bewusst, dass unglückliche Liebesgeschichten aus der Jugend, welche die meisten von uns haben, völlig unabhängig davon sind, ob wir nun Heteros sind oder nicht. Ich lebte mit den Figuren völlig mit, fühlte mich teilweise in meine eigene Jugend versetzt… und konnte nicht aufhören zu lesen bis das Buch fertig war.

  6. Bewertet mit 5 von 5

    Pollux

    Eine Geschichte die an die Nieren geht:

    Eine flüchtige Begegnung stürzt den 50-jährigen erfolgreichen Manager Oskar Riesbacher in eine Sinn- und Lebenskrise. Die kurze, intensive Zeit mit Leandro zu Beginn der Achtzigerjahre drängt sich mit Macht in die Gegenwart und stellt sein bisheriges Leben und die Beziehung zu seiner Partnerin Eva in Frage. Nun ist es wieder da, das Gefühl, wie wenn es nur geschlafen hätte. Dieser Mix von Liebe, anarchischer Authentizität und intellektueller Auseinandersetzung. Alles scheint mit einem Mal wieder möglich, alles denkbar. Das Fenster steht wieder weit offen, und Oskar erblickt neue Horizonte, aufregend, anmutig – jung.

    ‚Don’t worry about a thing… ‘, sang damals Bob Marley im Zürcher Hallenstadion. Der Groove dieses Songs zieht Oskar mit Macht in einen Strudel von Konventionen und Ausbruch.

  7. Bewertet mit 5 von 5

    Werner Kohler

    Ein Leckerbissen von Anfang bis zum Schluss, man will mehr und mehr und plötzlich ist Schluss! Eine sehr spannende Geschichte, die den Leser sofort in ihren Bann zieht. Freue mich auf das nächste Buch!

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